Heute back ich morgen brau ich…. No strings attached, ein Festival hat sich erfolgreich gefeiert

Ein Beitrag von Marianne Hoffmann über die Doppelvorstellung von Theater Meschugge am 28.10.2018 im Rahmen von NO STRINGS ATTACHED.

„Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind…“, wer kennt diese Zeilen nicht, Kindheitserinerungen tauchen auf oder die Abende, wo man dem eigenen Nachwuchs das „Rumpelstilzchen“ vorgelesen hat. Mit dem bekannten Märchen hat das Theater Meschugge am frühen Abend zur Famienvorstellung in die Mainzer Kammerspiele eingeladen. Die Feier zum 20-jährigen Bestehen des Festivals „No strings attached“ geht auf den Festivalhöhepunkt zu. Das Frauenensemble Theater Meschugge hat mit der jungen Figurenspielerin Pauline Drünert begabten Nachwuchs herangezogen.

Ricdin Ricdon (c) Marinette Delanné

Pauline Drünert (c) Marinette Delanné

Sie sitzt auf einer Art Thron und hält sich eine güldene Maske vor ihr Gesicht. Der junge König sucht eine Frau und der Müller, ein Puppengesicht in mehlfarbenem grau-weiß mit Mehl bestäubtem Gewand, preist seine Stroh zu Gold spinnende Tochter an. Das Männchen, genannt Rumpelstilzchen, besteht aus einem hageren Kopf und spargelgrauen Spinnenbeinen. Die Müllerstochter auf der Bühne der Kammerspiele hat als einzige multifunktionale Requisite einen Regenschirm. Er ist Spinnrad, Schwangerschaftsbauch und Kinderwiege. Natürlich geht das Rumpelstilzchen leer aus und die Geschichte endet, wie sie enden muss, happy. Kongenial unterstützt wird die Müllerstochter von der Musikerin Alexandra Lupidi, die im Eselsgewand die musikalische Untermalung der Geschichte mit verschiedenen Instrumenten bildhaft werden lässt. Auch hat sie die Gabe mit ihrer wunderbar klaren Sprache, geprägt von einem kleinen Akzent, die Frage nach dem Namen des Rumpelstilzchen so schön und gekonnt unbeantwortet zu lassen, dass die Kinder im Saal gewillt sind ihn herauszubrüllen, aber -psssst. Das ist doch noch ein Geheimnis. Zwei Masken, ein spindeldürres Männchen, ein Regenschirm, eine Geige gestrichen wie ein Cello, ein Eselskostüm und schon stellt sich ein Märchen auf der Bühne dar, das man nicht mehr vergessen wird. Die Kinder und ihre Eltern gehen nach Hause, denn in der Pause gibt es Mainzer Bier, Schmalz-und Frischkäseschnitten, ganz in der Tradition des Festivals. Prof. Dr. Jürgen Hardeck, der Chef des Kultursommers Rheinland-Pfal und Dr. Katharina Popanda, die Leiterin der Kulturstiftung Rheinland-Pfalz, sind gekommen um mit zu feiern, bevor es wieder in den Saal geht und es heißt „Weißt Du was ? Dann tanze jetzt!“

(c) Marinette Delanné

Ilka Schönbein (c) Marinette Delanné

„Noch einen Tag, denkt die Eintagsfliege. Noch einen Sommer lang, fleht die Grille. Noch ein Jährchen, denkt die kleine Alte.“ Doch alle werden vom Winter überrascht und die Grille hat Hunger, fragt bei der Ameise nach, doch diese möchte die Grille noch einmal zirpen hören und tanzen sehen. Das ist das Ende der Grille. Die Figurenspielerin Ilka Schönbein lässt in diesem szenischen Abend ihre Kreaturen, die aus der Werkstatt von Oskar Kokoschka oder Käthe Kollwitz stammen könnten, tanzen. Das ist keine leichte Kost, Sprache in vielen Nuancen , mal Französisch, Italienisch, Musik, die unter die Haut kriecht und frösteln lässt. Puppen, die frösteln lassen und trotzdem so tief im Inneren berühren. Das Mädchen, bei dem man ahnt, dass Missbrauch durch den Vater vorliegen könnte, obwohl das in einer Märchenwelt nicht vorkommen darf oder kann. Doch da  bewegt eine Spinne rasch ihre Beine, ein Fisch, gefangen im Netz, schlägt mit den Flossen und alle tanzen um ihr Leben, unheimlich und beklemmend. Gesungen und musiziert wird von Suska Kanzler und Alexandra Lupidi. Dem Publikum bleibt der Atem vor lauter Beklemmung weg und das Jubiläumsfest ist aus. Dank an Nike Poulakos und ihr geniales Team und bis bald. Ihre Marianne Hoffmann

Noch einmal Schaf gehabt

Ein Beitrag von Sophie Möser über die Vorstellung „Babylon“ von Neville Tranter am 27.10.2018 im Rahmen von NO STRINGS ATTACHED.

Gott in Neville Tranters "Babylon"
Ein etwas erschöpfter und leicht verwirrter Blick aus funkelnden Augen, strubbeliges graues Haar, ein wilder Bart, der in alle Richtungen steht und eine große Knubbelnase, die aus dem Gesicht hervorragt – darf ich vorstellen: Gott. Und wie bitte kommt Gott auf die Bühne der Mainzer Kammerspiele? Zu 20 Jahren NO STRINGS ATTACHED hat Neville Tranter ihn leichter Hand in seinem Stück „Babylon“ nach Mainz gebracht. Dass Neville Tranter bei der Jubiläumsausgabe des Festivals nicht fehlen darf, überrascht wenig, schließlich begleitet er dieses bereits seit Jahren, nun ist es das zehnte Mal, dass er dabei ist. Doch bevor Gott seinen großen Auftritt hat, tritt erst einmal Festivalleiterin Nike Poulakos auf die Bühne und bedankt sich nicht nur beim zahlreichen Erscheinen des Publikums, sondern auch bei allen, die NO STRINGS ATTACHED erst möglich machen, unter anderem der Kultursommer Rheinland-Pfalz, Medien RLP und natürlich die Mainzer Kammerspiele.

Und was genau hat Gott also in Mainz verloren? Seinen Sohn – der treibt sich nämlich irgendwo an einem Strand in Nordafrika herum. Wieder einmal möchte Jesus die Menschheit retten und muss dafür mit dem letzten Schiff nach Babylon. Neben ihm drängen Geflüchtete, auch sie wollen noch einen Platz ergattern. Und wer darf bei so viel Leid nicht fehlen? Der Teufel, der ebenfalls seine Finger im Spiel hat und, wie zu erwarten, Jesus zu verführen versucht. Dabei trägt der Teufel zwar nicht Prada, aber dennoch Glitzer und einen Umhang im Leopardenmuster. Seine roten Augen, die Teufelshörner und seine hämische Lache verraten ihn dann trotzdem. Aber ‘Gott sei Dank’ ist Jesus nicht allein, denn sein treuer Begleiter das Schaf Binky ist stets an seiner Seite, direkt unter seinen Arm geklemmt und schaut dabei ziemlich treudoof herein. Letzten Endes ist es dann auch Binky, der Jesus das Leben rettet. Also hat Gottes Sohn quasi noch einmal Schaf gehabt. Und was steht nun auf dem Plan des Aktivisten? Der Kampf gegen den Klimawandel.

Besonders beeindruckend an diesem Abend ist vor allem Neville Tranters Spieltechnik: Gekonnt zaubert er durch einfache Handgriffe tiefe Emotionen in die Gesichter seiner Klappmaulpuppen. So lässt er den Mund Gottes weit aufklappen und zeugt so unverkennbar von seinem Erstaunen darüber, dass sein Sohn so allmählich den Verstand verlieren würde. Andere Figuren lässt er vor Wut erzittern, den Kopf vor Fassungslosigkeit hängen oder stellt das Heben und Senken der Brust nach, wenn eine Puppe auf der Flucht außer Atem ist. Kein Wunder also, dass das Publikum von den Figuren nicht genug bekommen kann und sie selbst noch nach der Vorstellung ausgiebig in Augenschein nimmt. Denn trotz ihres karikaturistischen Äußeren wirken sie durch Nevilles Spiel unheimlich menschlich. Ergänzt wird diese beeindruckende Technik durch eine volle Ladung schwarzen Humors: So kann man sich das Lachen nicht verkneifen, wenn Gott dann „Oh my god!“ ausruft oder seinem Sohn noch auf den Weg mitgibt: „God bless you.“ Ein Abend ganz im Bann der Puppe und einen Bauchmuskelkater gab es gleich noch dazu.

Wenn Babylon zum Rettungsancker wird und Jesus Christus ein Schaf namens Binkie liebt

Ein Beitrag von Marianne Hoffmann über die Vorstellung „Babylon“ von Neville Tranter am 27.10.2018 im Rahmen von NO STRINGS ATTACHED.

Neville Tranters "Babylon"Ein Mann in einer Tarnjacke der Armee, Bürstenhaarschnitt, Sonnenbrille und Bergstiefeln an den Füßen, steht im Bühneneingang der Mainzer Kammerspiele und begrüßt jeden Einzelnen, der hereinkommt. Der Mann ist kein Geringerer als Neville Tranter, Gott-König der Puppenspieler. Die Kammerspiele sind bis auf den letzten Platz und darüber hinaus besetzt, denn überall, wo eine Lücke war, wurde noch ein Stuhl hingestellt. Und schon an der Bar wird geraunt: „Hast Du ihn schon mal gesehen? Noch nie? Ich beneide Dich, es ist umwerfend.“ Zum zehnten Mal ist der Australier Neville Tranter, der seit seinem ersten Europaauftritt in Amsterdam lebt, Gast bei „No strings attached“. Neville Tranter ist einer der weltweit bekanntesten Puppenspieler. Er ist Gründer des Stuffed Puppet Theatre und das einzige Ensemblemitglied, neben seinen Klappmaulpuppen, die immer, wenn sie das Maul besonders weit aufreißen, ihr Zäpfchen sehen lassen. Mit „Babylon“ hat Tranter ein Stück Zeitgeschichte aufgenommen, das man gar nicht mehr so gerne hören oder gar sehen mag, doch Tranter wäre nicht Tranter, wenn das Thema Flüchtlinge und ihre Flucht über das Wasser nicht auch ironisch und bitterböse amüsiert. Tranter, der alle Puppen alleine führt und dabei präsent auf der Bühne steht, hat die ungewöhnliche Gabe, dass das Publikum den Mann im Tarnanzug auch wirklich nicht mehr wahrnimmt. Es sind die Puppen, jede ein Individuum, angefangen bei den Köpfen bis hin zum Gewand, der Handhaltung mal mit vier, drei oder auch fünf Fingern, wie es halt proportional passt, die die Regie übernehmen. Worum geht es? Ein einsamer Strand in Nordafrika. Ein nervöser Kapitän wartet ungeduldig auf seine letzten Passagiere, alles Flüchtlinge. Sie versuchen um jeden Preis, auf dem letzten Boot nach Babylon in das gelobte Land zu kommen. Einige erobern sich einen Platz an Bord. Andere bleiben zurück. Das Boot geht unter. Wer überlebt und wird gerettet? Wer nicht? Gott, ein wenig desorientiert. Jesus, sein Sohn und der Teufel versuchen einzugreifen. Aber sie wissen nicht recht wie, denn „manchmal kann Gutes Böses herbeiführen und Böses Gutes”. Neben dem imposanten Teufel mit seinen feuerroten Zähnen und seinem üppigen Gewand ist Gott mit seinem Engeldiener, ein weiß gewandeter älterer Herr, extrem komisch, zumal sein Diener – mit den zarten Engelflügeln – extrem an Chris Howland erinnert und an alte Karl–May-Filme. Jesus, Gottes Sohn, ist durch eine unendliche Wüste gewandert, hatte hunderte von Visionen und wenn er nicht Binky an seiner Seite gehabt hätte, dann wäre er durchgedreht. Und der Satan? Er stimmt das tröstliche “Somewhere“ aus der “West Side Story“ an und krächzt eine höhnische Tom-Waits-Persiflage ins Irgendwo – auch so lernt man das Fürchten. Tranter hat mit seinen wunderbaren Groß-Puppen alle Hände voll zu tun und das Migranten-Thema energisch angepackt. Ein Konflikt, zu dessen Bewältigung man sowieso den Mund, warum also nicht das Klappmaul, aufmachen muss. Gott und Jesus überleben, Binky hatte einen Panikanfall vor Betreten des Bootes, und es wurde ein Körbchen gefunden, mit einem Hund darin. Gott tauft den Hund „Moses“, das Leben geht weiter, und die Geschichte ist aus.

 

Ver- /Entzaubert: Das immersive Orakel von Delphi

Ein Beitrag von Sophie Möser über die Vorstellung „Das Orakel von Delphi – Ein Jahrmarkt der Vernunft“ von Suse Wächter und Manuel Muerte am 25.10.2018 im Rahmen von NO STRINGS ATTACHED.

Orakel von Delphi (c) Paul Milmeister
Der Blick wandert nach links an blau-schimmerenden Wänden vorbei, dann nach rechts, streift den „Chinese Fortune Teller“, bei dem man tatsächlich nur chinesisch versteht, weiter über die Kaffesatz-Machine bishin zum Gummibärchen-Orakel à la Kaugummispender. Ein voll automatisierter Jahrmarkt. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des NO STRINGS ATTACHED Festivals verwandelt sich der Theatersaal der Mainzer Kammerspiele in einen Ort des Dazwischen: zwischen dem Hier und Jetzt, der Vergangenheit und der Zukunft. Zuschauer werden eingeladen, sich den Raum selbst zu erschließen. So erfährt man unter anderem mehr über seine Zukunft in Sachen Liebe durch „Daisy’s Liebesorakel“ – einfach ein Gänseblümchen pflücken, „er liebt mich, er liebt mich nicht“ und wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist, sind Taschentücher an diesem umfunktionierten Billardtisch auch nicht weit.

„Das Orakel von Delphi“ ist eine Inszenierung des Dazwischen gleich im mehrfachen Sinne, denn die Besucher erforschen nicht nur sich selbst und ihre Wünschen, sondern finden sich auch unentwegt auf dem schmalen Grat zwischen Illusion und Vernunft wieder. Ein gewolltes Spannungsverhältnis nach den Realisatoren Suse Wächter und Manuel Muerte – schließlich geht es nicht nur darum, die Lust der Teilnehmer sich dem Irrationalen hinzugeben zu wecken, sondern gleichzeitig diese durch bewusst eingesetzte Brüche zu dekonstruieren – quasi ein Appell an die Vernunft. Erreicht wird dies vor allem durch das interdisziplinäre Zusammentreffen von Live-Musik mit Schlagzeuger Chris Ilmer, Installationskunst, Magie und Figurentheater sowie der besonderen Dramaturgie des Abends. Nach der ersten Phase des Eintauchens und freien Erkundens der eigenen Sinne, werden die Besucher gebeten auf Bierkästen im Raum Platz zu nehmen, Beginn des Kapitels zwei: eine beinahe willkürlich wirkende Szenen-Collage zwischen Zaubertricks, Guru Hase, Sigmund Freud, Sokrates und selbst Gott hat einen Auftritt. Trotz alledem sind es nicht die Figuren, die Suse Wächter mit ihrer facettenreichen Stimme zum Leben erweckt, die im Mittelpunkt stehen, sondern die Zuschauer.

Nämlich sind sie die treibende Kraft der Aufführung und zwar einerseits physisch durch ihre aktive Teilnahme, andererseits psychisch. So liegt es an ihnen, die assoziativen Szenen zu einem Ganzen zu verstricken stets mit der Frage im Hinterkopf: Sollte dieser Trick genauso ablaufen, ist hier etwas schief gelaufen oder ist auch das Manipulation? Gerade diese kalkulierte Willkür baut zum Höhepunkt des Stücks auf – das Beschwören des Orakels von Delphi. Mit einer guten Ladung Humor und einer mitreißenden Spieltechnik werden die Besucher auf die Probe gestellt. Ein immersives Theatererlebnis, das alle Sinne beansprucht.

Das Orakel von Delphi – ein Orakel -Jahrmarkt hat auf alles eine Antwort

Ein Beitrag von Marianne Hoffmann über die Vorstellung “Das Orakel von Delphi – Ein Jahrmarkt der Vernunft” von Suse Wächter & Manuel Muerte am 25.10.2018 im Rahmen von NO STRINGS ATTACHED.

Das Orakel von Delphi (c) Michael Trautmann
Haben Sie Fragen an die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft? Dann gehen Sie doch in die Mainzer Kammerspiele und treiben sich im Orakel-Jahrmarkt herum, befragen Sie mal lässig das Kaffeesatzorakel, das Mäuseorakel, das Liebesorakel – er liebt mich, er liebt mich nicht – oder trinken Sie Heilwasser aus Lourdes und orakeln Sie, was mit Ihrem Körper passiert. „Das Orakel von Delphi“, das berühmteste Orakel der Vergangenheit und Jetzt-Zeit, macht mit seinem Jahrmarkt Station in Mainz. NO STRINGS ATTACHED feiert 20-jähriges Jubiläum und bei so vielen Orakeln kann man ja schon mal nachschauen lassen, was in 20 Jahren so sein wird. Das Publikum ist jedenfalls begeistert, experimentierfreudig und versucht an den unterschiedlichen Orakelstationen das persönliche Glück zu finden.

Das geht solange gut, bis ein Herr im orientalisch angehauchten Outfit die Gäste bittet Platz zu nehmen und mit einer tiefausgeschnittenen Dame darüber orakelt, wie aus Wasser Wein wird. Aber ist das denn nicht dem lieben Gott vorbehalten oder war das nicht sein Sohn, Jesus Christus? Egal, der Magier Manuel Muerte, der Mann im orientalischen Outfit, verwandelt das Wasser von Lourdes in roten Wein, bevor es weiter geht mit Wodka, Korn, Amaretto, Bier und hast Du nicht gesehen – es funktioniert, wie die Geschmacksprobe beweist. Von einer der vier Bühnen an diesem Abend klingt eine rauhe Stimme mit starkem indischen Akzent, ein Hase, gesprochen, entworfen und bespielt von Suse Wächter. „Close your eyes, imagine a desert,“ fordert der Hase auf und bittet, in die Wüste einen Kubus zu setzen, eine Leiter zu installieren und ein Pferd irgendwo unterzubringen, Augen auf und nun kommt die Auflösung durch den Magier. Der Herr aus dem Publikum, dessen Wüste so unendlich weit und gelb ist, dessen Kubus aus Glas besteht, in dem die Leiter lehnt und aus dem Kubus herauswächst und das Pferd lila Plüschohren hat und kein Einhorn ist, ja, das ist schwer zu orakeln und sagt doch alles über die verdorbene Psyche des Mannes aus.

Platon und Sokrates, zwei weißhaarige alte Herrn, suchen nach der Wahrheit und können sie nicht finden, aber der Magier Manuel Muerte, findet fünfmal die 50 Cent Münze in der Hand eines Freiwilligen, während Freud der Psychanalyse unbequeme Fragen stellt, Gott auftaucht und erkärt, dass die von ihm geschaffene Welt aus Urschleim besteht und dieser Urschleim in der Lage ist, gewürfelte Zahlen zu erkennen. Das gelingt nur bedingt, es sei denn man stellt das Gegenteil als die Wahrheit hin. Und dann  taucht es auf, das gefürchtete Orakel von Delphi. Die Zuschauer verschwinden fast in einem undurchdringlichen Nebel aus Weihrauch und Besenkraut und die Kamera des SWR macht Pause, denn auch sie kann den Nebel nicht durchdringen. Das Orakel von Delphi ist ein altes Knochengerippe mit Großmutterhaube und Fingerpupillen von Suse Wächter. Mit furchterrengender Stimme löst es ein Rätsel nach dem anderen. Nur die Frage, wie die nächste Fußball-WM 2022 ausgeht, das sagt es nicht, das kann es nicht, denn das entscheidet sich nach dem letzten Spiel. Und sonst? Ein Abend voller Magie, fantastischen Puppen, unglaublicher Musik von Chris Imler und gekonnter Unterstützung von Veronika Thieme und Patrick Folkerts.

 

Nächste Vorstellung im Rahmen von „No strings attached“ ist am Samstag, 27.10.2018 mit „Babylon“, gespielt vom Stuffed Puppet Theatre um 20 Uhr in den Mainzer Kammerspielen.