Das Orakel von Delphi – ein Orakel -Jahrmarkt hat auf alles eine Antwort

Ein Beitrag von Marianne Hoffmann über die Vorstellung “Das Orakel von Delphi – Ein Jahrmarkt der Vernunft” von Suse Wächter & Manuel Muerte am 25.10.2018 im Rahmen von NO STRINGS ATTACHED.

Das Orakel von Delphi (c) Michael Trautmann
Haben Sie Fragen an die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft? Dann gehen Sie doch in die Mainzer Kammerspiele und treiben sich im Orakel-Jahrmarkt herum, befragen Sie mal lässig das Kaffeesatzorakel, das Mäuseorakel, das Liebesorakel – er liebt mich, er liebt mich nicht – oder trinken Sie Heilwasser aus Lourdes und orakeln Sie, was mit Ihrem Körper passiert. „Das Orakel von Delphi“, das berühmteste Orakel der Vergangenheit und Jetzt-Zeit, macht mit seinem Jahrmarkt Station in Mainz. NO STRINGS ATTACHED feiert 20-jähriges Jubiläum und bei so vielen Orakeln kann man ja schon mal nachschauen lassen, was in 20 Jahren so sein wird. Das Publikum ist jedenfalls begeistert, experimentierfreudig und versucht an den unterschiedlichen Orakelstationen das persönliche Glück zu finden.

Das geht solange gut, bis ein Herr im orientalisch angehauchten Outfit die Gäste bittet Platz zu nehmen und mit einer tiefausgeschnittenen Dame darüber orakelt, wie aus Wasser Wein wird. Aber ist das denn nicht dem lieben Gott vorbehalten oder war das nicht sein Sohn, Jesus Christus? Egal, der Magier Manuel Muerte, der Mann im orientalischen Outfit, verwandelt das Wasser von Lourdes in roten Wein, bevor es weiter geht mit Wodka, Korn, Amaretto, Bier und hast Du nicht gesehen – es funktioniert, wie die Geschmacksprobe beweist. Von einer der vier Bühnen an diesem Abend klingt eine rauhe Stimme mit starkem indischen Akzent, ein Hase, gesprochen, entworfen und bespielt von Suse Wächter. „Close your eyes, imagine a desert,“ fordert der Hase auf und bittet, in die Wüste einen Kubus zu setzen, eine Leiter zu installieren und ein Pferd irgendwo unterzubringen, Augen auf und nun kommt die Auflösung durch den Magier. Der Herr aus dem Publikum, dessen Wüste so unendlich weit und gelb ist, dessen Kubus aus Glas besteht, in dem die Leiter lehnt und aus dem Kubus herauswächst und das Pferd lila Plüschohren hat und kein Einhorn ist, ja, das ist schwer zu orakeln und sagt doch alles über die verdorbene Psyche des Mannes aus.

Platon und Sokrates, zwei weißhaarige alte Herrn, suchen nach der Wahrheit und können sie nicht finden, aber der Magier Manuel Muerte, findet fünfmal die 50 Cent Münze in der Hand eines Freiwilligen, während Freud der Psychanalyse unbequeme Fragen stellt, Gott auftaucht und erkärt, dass die von ihm geschaffene Welt aus Urschleim besteht und dieser Urschleim in der Lage ist, gewürfelte Zahlen zu erkennen. Das gelingt nur bedingt, es sei denn man stellt das Gegenteil als die Wahrheit hin. Und dann  taucht es auf, das gefürchtete Orakel von Delphi. Die Zuschauer verschwinden fast in einem undurchdringlichen Nebel aus Weihrauch und Besenkraut und die Kamera des SWR macht Pause, denn auch sie kann den Nebel nicht durchdringen. Das Orakel von Delphi ist ein altes Knochengerippe mit Großmutterhaube und Fingerpupillen von Suse Wächter. Mit furchterrengender Stimme löst es ein Rätsel nach dem anderen. Nur die Frage, wie die nächste Fußball-WM 2022 ausgeht, das sagt es nicht, das kann es nicht, denn das entscheidet sich nach dem letzten Spiel. Und sonst? Ein Abend voller Magie, fantastischen Puppen, unglaublicher Musik von Chris Imler und gekonnter Unterstützung von Veronika Thieme und Patrick Folkerts.

 

Nächste Vorstellung im Rahmen von „No strings attached“ ist am Samstag, 27.10.2018 mit „Babylon“, gespielt vom Stuffed Puppet Theatre um 20 Uhr in den Mainzer Kammerspielen.

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