Teatr Tenj (Russland)

Das Lilikanische Museum der Theaterideen

Teatr Tenj

Die Puppenspielerin Mayya Krasnopolskaya und ihr Mann Ilja Epelbaum gehören zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der Moskauer Theaterszene. Seit einigen Jahren laden sie bekannte russische Regisseure wie Anatolj Wassilijew und internationale Künstler wie den italienischen Filmemacher Tonino Guerra dazu ein, Visionen von Theater auf eine Miniatur-Bühne zu bringen.

Das Lilikanische Museum der Theaterideen

Rücksicht auf Schauspieler, Publikum, Brandschutz und Finanzen? Nicht im „Theater des Königreichs Lilikan“! In der 1,60 m hohen detailtreuen Kopie eines großen barocken Theaterhauses mit Hunderten von raffiniert-liebenswerten Details spielt Molières „Menschenfeind“, inszeniert von Anatoli Wassilijew, der ganz im Sinne seines Protagonisten am Ende seine Zuschauer umbringt und die Kulisse in Flammen aufgehen lässt. Auch in „Regen nach der Sintflut“ von Tonino Guerra geht es dem Publikum an den Kragen – diesmal ertrinkt es zum großen Weltuntergangs-Finale. Die Vorstellungen im Liliput-Theater werden zur besseren Sicht auf große Leinwände übertragen.

„Das vielstöckige barocke Theaterhaus misst eine Traufhöhe von etwa einem Meter sechzig. Die kribbeligen Zuschauer, die fiedelnden Musiker im Orchestergraben und die einsatzfreudigen Schauspieler hörten bei 15 Zentimetern auf zu wachsen, und Noahs Arche ist eine Streichholzschachtel. Diese Angaben werden hier nach langem Zögern mitgeteilt, denn die Größe einer Idee hat nichts mit ihrer Ausdehnung in Zeit und Raum zu tun. Der Schädel des homo sapiens sapiens fasst ein Volumen von rund 1 400 Kubikzentimetern, und hinein passt mehr als eine Welt.“ (Berliner Zeitung, 22.9.03)

Kommentare

^

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.